"Lulu"

Ein Prachtexemplar an der Staatsoper

An der Münchner Oper ist der erste Durchgang von fünf Aufführungen der Lulu abgeschlossen. Es waren Aufführungen, die Münchens führende Rolle in der Opernwelt bestätigt haben.

Sogar das Münchner Publikum, gegenüber dem Modernen diesseits Richard Strauss gelinde gesagt skeptisch eingestellt, schien der "Lulu" gewogen, der stark subventionierte Kreis der Zuschauer verkleinerte sich in den beiden Pausen nicht allzu sehr.

Die Vorstellung ist packend, im Ansatz, weil der österreichische Komponist Alban Berg sich unmittelbar auf Texte von Frank Wedekind stützt und – anders als Wagner - zu Recht nicht der eigenen Librettokraft vertraut. Den wenigen nur exemplarisch eingesetzten Text füllt er mit auch erotischer Musik, die viel weiteren Text entbehrlich macht und noch weit darüber hinaus wirkt.

Wie Wagner im wesendonckgeprägten Tristan ist auch Berg vom eigenen Erleben geprägt: Als Gymnasiast schwängert er das Hausmädchen und steht dann nicht dazu. Die von ihm behauptete Triebgebundenheit des Mannes war wohl schon da angelegt, das Prachtexemplar eines Weibes begegnete ihm immer wieder, ein erotisches Mysterium setzte auch ihm in unentwegten Kreisläufen zu.

Mit der gleichfalls verheirateten Schwester Franz Werfels verbanden ihn begeisternde zehn geheime intime Jahre. Sind schon die Schlüssel zum Werk in der eigenen Biografie angelegt, so schlägt jedenfalls die Ironie des Schicksals bei Bergs frühem Tod zu: Ist in der Oper die Lulu ursächlich für den Tod von sechs Männern, so verursachte im wirklichen Leben Bergs Ehefrau durch ihre dilettantische Behandlung eines Furunkels die todbringende Blutvergiftung ihres Alban.

Im Jahr des 130. Geburtstags und 80. Todestags von Berg finden weitere Aufführungen statt am 20., 23., und 26. September 2015, Vorverkauf schon drei Monate voraus.

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